Auf der Überholspur: VERO

 

skoopr Blog   •  28. Februar 2018

Im App-Store und im Google Play Store ist eine App innerhalb weniger Tage auf den obersten Rang geschossen. Dabei ist sie bereits 2015 veröffentlicht worden, erlebt aber erst jetzt einen richtigen Hype. Die Rede ist von VERO – true social.

In einem Manifest stellt sich die App als neues Facebook, neues Instagram und neues Twitter vor. Was VERO von den bereits etablierten und täglich weltweit von hunderten Millionen Usern genutzten Plattformen unterscheidet? Das Grundprinzip. Nach eigenen Angaben möchte VERO das „echte soziale Netzwerk“ sein, ohne Werbung und ohne einen Algorithmus, der bestimmt, was dem User im Newsfeed angezeigt wird. Einigen dürfte das aber auch noch von Instagram & Co. bekannt sein – denn alles, was VERO nun unterscheidet, hatten die anderen Plattformen beim Start auch.

Der Algorithmus bei Facebook und Instagram wurde eingeführt, da den Usern ansonsten täglich tausende Einträge angezeigt würden – und um natürlich Geld zu verdienen. Im Imperium von Marc Zuckerburg, Snapchat oder auch Twitter können Unternehmen dafür bezahlen, dass bestimmte Personen ihre Werbung sehen. Das soll es bei VERO nicht geben. Trotzdem können sich dort Marken und Unternehmen einen Account anlegen und ihre Produkte direkt anbieten. Sollte es über die App zum Kauf kommt verdient VERO durch eine Beteiligung mit.

Außerdem geben die Gründer um Ayman Hariri, Sohn des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafic Hariri, ganz offen zu, dass Nutzer zukünftig für die App bezahlen sollen. Nur die ersten eine Millionen angemeldeten Personen würden als „Dankeschön“ das Netzwerk weiterhin kostenlos nutzen können. Aktuell gehen Experten aber davon aus, dass die 1-Million-Marke noch nicht geknackt ist.

Schneeballeffekt dank Promis

Wie konnte ein solcher Hype um diese App entstehen, die vorher zweieinhalb Jahre lang im Nichts rumdümpelte? Die Gründe können nicht klar benannt werden, aber es gibt durchaus sinnvolle Vermutungen: Vor allem auf Instagram wird man derzeit von Prominenten und Influencern überflutet, die sich bei VERO angemeldet haben und ihre Follower dazu auffordern, sich dort ebenfalls zu registrieren. Ob diese Personen für die Werbung bezahlt wurden, ist nicht klar. Einmal angelaufen gibt es dann einen Schneeballeffekt: Bei dort nicht registrierten Personen taucht das Gefühl und die Neugierde auf, VERO ebenfalls zu testen. Und schon startet der Download.

Was die App wirklich kann, kann man derzeit nur schwer testen. Durch die hohen Download-Zahlen sind die Server überlastet und die App startet wenn überhaupt nur sehr langsam. Anders als bisher bekannt kann man dort seine Follower unterteilen in „Enge Freunde“, „Freunde“, „Bekannte“ und „Follower“. Diese Funktion gibt es zwar auch bei Facebook, wird aber kaum genutzt. Postet man nun ein Bild vom gestrigen Konzertbesuch kann man direkt auswählen, welche Gruppe diesen Beitrag sehen soll.

Welche Freunde VERO bereits nutzen, wird einem direkt angezeigt, da die App die eigene Kontaktliste durchsucht. Hat man sich miteinander verbunden wird einem alles chronologisch im zentralen Newsfeed angezeigt. Das man für die Anmeldung seine Handynummer angeben muss, worauf auch vor dem Download nicht hingewiesen wird, stößt bei Datenschützern auf Bedenken.

Unser Fazit: Eintagsfliege

In unserem Test hat uns VERO bisher nicht überzeugt. Nicht nur, dass die App sich inzwischen kaum noch starten lässt, auch die Hintergründe der Entwickler, der plötzliche Boom und der Datenschutz lassen bei uns Zweifel aufkommen. Am Ende wird es wohl darauf ankommen, ob sich die breite Masse der Freunde dort registriert – oder eben nicht.

Die App steht im Apple Store und im Google Play Store zum Download bereit.

By |2018-09-19T12:36:34+00:00Februar 28th, 2018|